Er war streitbar, unbequem und eine der zentralen Figuren der deutschen Gegenwartskunst: Jörg Immendorff (1945–2007), geboren in Bleckede an der Elbe im Landkreis Lüneburg, wo er in der Lauenburger Straße aufwuchs und Teile seiner Kindheit verbrachte. Die Jahre dort nannte er später das prägendste Erlebnis seiner Kindheit.
1979 kehrte der inzwischen bekannte Künstler für eine Ausstellung ins Bleckeder Schloss zurück – und mit ihm ein Werk, das zum Symbol werden sollte: „Projekt Teilbau Bleckede“. Das zwei Meter hohe Mahnmal am Hafen, gerichtet nach Osten und Westen, zeigte scharfe Kritik an beiden deutschen Staaten. Auf der DDR-Seite: ein verfremdetes Staatssymbol, Hammer und Sichel als Garotte, die eine Kerze bedroht – flankiert von einem Stasi-Typus im Ledermantel. Auf der Westseite: ein zerrupfter Wappenvogel im Radioaktiv-Zeichen, ein Blick auf die Gorleben-Debatte jener Zeit. Immendorff nannte es seine „Gabe zu den 30-Jahr-Feiern der beiden deutschen Staaten – für sie und gegen sie.“ Das Mahnmal existiert mittlerweile nicht mehr, gehört aber weiterhin zu seinen frühen Schlüsselwerken und markiert den Beginn seiner großen politischen Malerei.
